Die wahre Herkunft unserer Hauskatze!

Mal friedlich, mal giftige, mal unnahbar, mal anschmiegsam  und schmusebedürftig, und manchmal auch ungezogen zum Verzweifeln. Die Katze ist trotz ihres eigenwilligen und sprunghaften Wesens das beliebteste Haustier. Es gibt über 8 Millionen Hauskatzen allein in Deutschland, mit steigender Tendenz. Der Stubentieger  lebt fast in jedem sechsten Haushalt hier zu Lande. Weltweit dürfte die Zahl der Katzen in Menschenobhut 600 Millionen übersteigen.
Die Herkunft der Hauskatze war lange ungewiss, zumal der Sinn dieser Anschaffung zunächst weniger einsichtig war. Schließlich liefern andere Haustiere dem Menschen  Fleisch, Milch Wolle oder Arbeitskraft. Doch welchen Nutzen haben Katzen?
Noch bis vor fünf Jahren war man davon überzeugt, dass die alten Ägypter vor etwa 3600 Jahren damit angefangen haben, sie als Haustier zu halten. Neue archäologische Befunde sowie genetische Analysen offenbaren inzwischen einen völlig anderen Hergang sowie einen anderen Ursprung. Mehrere Umstände  in der Vergangenheit erschwerten die Aufklärung. Dass alle Hauskatzenvarianten Katzengruppeallein von der sogenannten Wildkatze  der Art Felis silvestris abstammen, vermuteten Experten zwar schon lange, konnten es aber nicht gut belegen. Einig Forscher glaubten, Katzen seien an mehreren Orten unabhängig voneinander  domestiziert worden. Denn die in der alten Welt weit verbreitete Wildkatze machte die präzise Zuordnung gerade nicht einfacher. Ihr Lebensraum reicht von Schottland bis Südafrika, von Spanien bis in die Mongolei.  Nur schwer auseinanderhalten lassen sich die einzelnen Wildkatze-nunterarten. Die Populationsgrenzen sind unscharf. Tiere verschiedener Populationen kreuzen sich überdies bereitwillig. Manche verwilderte Hauskatze ist mit der typischen streifig gemusterten Fellzeichnung leicht mit einer Wildkatze zu verwechseln. Problemlos paaren sich auch Haus- und Wildkatzen.Um Klarheit in diese Fragen zu bringen sammelte man von fast etwa 1000 Tieren, darunter auch Haus- Wildkatzen  aus aller Welt DNA – Proben und kam zu dem Ergebnis, das die Evolution für die Hauskatze längst noch nicht beendet ist. Mit künstlicher Befruchtung, auch im Reagenzglas, betreten Katzenzüchter heute sogar neues Terrain: Sie kreuzen fremde Katzenarten ein und erzeugen so völlig neue, exotische Rassen, etwa mit Bengalkatzen (Leopardenkatzen), Karakas oder Servals. Das könnte den Weg zu einem nie da gewesenen Haustier ebnen, das gleich eine ganze Reihe von Arten in sich trägt.
Die meisten Haustiere  kommen ganz gut mit allem möglichen pflanzlichen Futter zurecht, das fast immer verfügbar ist. Katzen hingegen benötigen unbedingt Fleisch oder Beutetiere. Andere Nahrung können sie schlecht verdauen.
Schon an ihrem Gebiss lässt sich erkennen, dass sie nicht wie wir Menschen kauen können. Sie können die Happen wohl zerkleinern, schlingen sie dann aber herunter. Süße Kohlenhydrate wie Zucker schmecken sie nicht einmal.

Katzenzähne

Und Ihre Brauchbarkeit für den Menschen?
Mit dem Gehorsam ist es meistens nicht weit her. Andere Haustiere haben die Menschen sich für bestimmte Zwecke herangezogen. Katzen schlossen sich uns wahrscheinlich aus eigenen Stücken an, weil sie selbst davon profitieren.
Die frühen Aussiedlungen vor 9000 bis 10 000 Jahren, am Beginn der Jungsteinzeit, boten Tiere eine ganz neuartige Umwelt, sofern sie anpassungsfähig, neugierig, oder Schutz suchend und hungrig waren. Zu denen, welche solche  Voraussetzungen erfüllten, gehörte die Hausmaus. Wo Menschen wohnten und sich Vorräte hielten, gediehen diese Nager prächtig. Fast mit Sicherheit zogen diese Mäuse Katzen an. Allerdings dürften letztere die Abfallhaufen vor den Siedlungen ebenso verlockend gefunden haben. Wenn sie sich geschickt anstellten, entdeckten sie zu jeder Jahreszeit Fressbares. Beide Nahrungsquellen können Katzen dazu gebracht haben, sich an den Menschen anzupassen. Überall vermehrten sich im Laufe der Zeit solche Wildkatzen, die menschliche Nähe einigermaßen ertrugen, doch mussten sie sich weiterhin gegen  Artgenossen behaupten. Allzu umgänglich durften sie allerdings nicht sein. Sie schlugen sich mit Sicherheit meist selbst durch. Sie blieben perfekte Jäger und Futterbeschaffer. Auch die meisten heutigen Hauskatzen  lieben die Freiheit. Viele können leicht auch allein überleben. Unzählige verwilderte Katzen beweisen das. Vielleicht behielt man sie sogar ganz gerne in der Nähe, wenn man bemerkte, dass sie Mäuse und Schlangen erbeuteten. Niemand weiß, wie lange es dauerte, bis die Katze ein verschmuster Hausgenosse wurde. Die Katzen liefen  vermutlich frei umher, wählten ihren Paarungspartner selbst und trafen wohl auch manchmal wilde Artgenossen. Als die Landwirtschaft sich ausbreitete, kamen die zahmen Katzen einfach mit.
Immerhin dürfen wir es zu einem großen Teil dem alten Ägypten verdanken, wenn die Katze heute zu den beliebtesten, weltweit verbreiteten Haustieren zählt. Vor rund 2900 Jahren wurde die Katzengöttin Bastet als offizielle Gottheit verehrt. Katzen waren heilig, sie wurden geopfert, mumifiziert und zahlreich in Bubastis, der heiligen Stadt dieser Göttin bestattet. Die massenhaften Mumien lassen ahnen, dass Ägypter nicht nur frei herumstreunende Katzen zugriffen, sondern die Tiere erstmals in der Geschichte absichtlich hielten und vermehrten. Obwohl es strengstens verboten war, Katzen auszuführen, gelangten sie schon vor 2500 Jahren nach Griechenland. Später nahmen Getreideschiffe sie offenbar als Ratten- und Mäusefänger mit an Brd, was für die kleinen Räuber sicherlich die Gelegenheit war, in vielen Hafenstädten Populationen zu gründen und von dort auch das Binnenland zu erobern. Als die Römer vor 2000 Jahren ihr Reich gewaltig ausdehnten, waren wiederum Katzen mit von der Partie. So wurden sie bald in ganz Europa heimisch.  Im östlichen Mittelmehr entdeckten Archäologen im Jahr 2004 in einem Grab das Tier  wurde vor rund 95oo Jahren nahe bei einem Menschen bestattet. Das spricht für eine enge Beziehung zum Menschen.